FCG INTERVIEW | Manuela Kampp-Wirtz

Orientierung im Online-Mode-Dschungel 

„Ich finde die deutsche Mode großartig“

 

Mit den Titeln Elle, Instyle und Harper’s Bazaar sowie Bunte und Freundin erreicht BurdaStyle monatlich mehr als sieben Millionen Leser, dazu kommt eine Online-Reichweite von über 20 Millionen Visits — und das ist zu großen Teilen ihr zu verdanken: Seit 2012 steht Manuela Kampp-Wirtz als CEO an der Spitze von Deutschlands größtem Medienunternehmen im Bereich Lifestyle, Fashion, Beauty und Entertainment. Trotz ihres anspruchsvollen Jobs findet die Geschäftsführerin Zeit für ehrenamtliches Engagement. Seit Dezember 2018 ist sie nämlich auch Präsidiumsmitglied des Fashion Council Germany. Ein Gespräch über Nachhaltigkeit, Förderprogramme und die Weiterentwicklung von E-Commerce.

 

Sie sind seit Dezember 2018 Präsidiumsmitglied im Fashion Council Germany. Was hat Sie zu der Teilnahme bewogen?

Die Modeindustrie ist eine der wichtigsten Branchen in Deutschland, die es zu fördern gilt. Ich finde es wichtig, den Designnachwuchs aus Deutschland gezielt zu unterstützen und die internationale Sichtbarkeit deutscher Mode und ihrer Designer zu verbessern. Der Fashion Council Germany setzt sich hierfür ein und deshalb habe ich nicht lange gezögert, als ich gefragt wurde, ob ich Mitglied des Präsidiums werden möchte.

 

Warum engagiert sich BurdaStyle — als Medienunternehmen — für junge Talente und für Nachhaltigkeit?

Beides sind wichtige und aktuelle Themen. Junge Talente fördern wir bereits seit mehreren Jahren mit dem Bunte New Faces Award Style. Und wir sind sehr gerne Partner des German Sustain Concept, welches nachhaltiges Engagement bei Designern fördert.

 

Grüne Mode gibt es nicht erst seit gestern. Warum ist Nachhaltigkeit gerade momentan eigentlich so ein großes Thema in der Branche?
Die Klima-Problematik, CO2-Emissionen und der vernünftige Umgang mit Ressourcen gehen uns alle an. Zahlreiche Modelabels produzieren heute ökologisch nachhaltige Kleidungsstücke. Dieses Engagement unterstützt das German Sustain Concept.

 

Wie sieht BurdaStyles Engagement in Sachen German Sustain Programms konkret aus?
Als Partner des German Sustain Programms unterstützt die BurdaStyle vier junge Designerlabels— Phylyda, Lara Krude, Working Title und Oft — bei der Produktion und im Vertrieb. Zudem steht die BurdaStyle den Designern und dem Fashion Council Germany mit ihrem Know-How im kaufmännischen und kreativen Bereich beratend zur Seite.

 

Gemeinsam mit den German Sustain Gewinnerinnen Lydia Maurer (Phylyda) und Lara Krude sind exklusive Capsule Collections entstanden, die auf instyle.de und elle.de erhältlich sind. Was hat es damit auf sich?

Wir unterstützen die jungen Modelabels, indem wir ihre Kollektionen über die Shopping- Plattformen von elle.de und instyle.de verkaufen und diese redaktionell ankündigen. Die redaktionelle Unterstützung sowie der Verkauf über unsere Plattformen erhöhen die Bekanntheit der Designer und machen auf die Kollektionen aufmerksam.

 

BurdaStyle ist ein Medienunternehmen. Warum ist es für Kunden eigentlich attraktiv, über Ihre Online-Plattformen zu shoppen?
Die Moderedaktionen unserer Marken kuratieren aus einer Fülle von Artikeln die angesagtesten Trendteile und bieten damit eine perfekte Orientierung im Online-Mode-Dschungel.

 

Wie wichtig sind solche Verkaufsangebote mittlerweile für BurdaStyle? Wird der Bereich Shop-It zukünftig noch ausgebaut?

Beim Online-Shop von Instyle, Instyle Shop-It, sind beispielsweise bereits mehr als 100 Partnershops integriert, Tendenz steigend. Das Konzept haben wir auch auf Elle und Freundin ausgeweitet, so kann man auch auf Elle Shop-It und Freundin Shop-It ausgewählte Trendteile shoppen. E-Commerce ist ein wichtiger Teilbereich unseres Markenangebots und wird künftig auf jeden Fall weiter ausgebaut.

 

Wäre das auch eine Antwort auf den schrumpfenden Print-Markt?

Wir setzen auf die Stärke unserer Marken und bauen ganze Erlebniswelten um sie herum auf. Dazu gehört auch E-Commerce. Die Basis ist und bleibt jedoch Print. Jüngst haben Harper’s Bazaar und Instyle Abonnenten hinzugewonnen. Wir haben im Oktober Instyle Mini&Me gelauncht und wir erhöhen aufgrund des großen Leser-Interesses die Frequenz der Line Extensions von Elle, Elle Traveller und Elle Accessoires. Man kann also nicht sagen, dass der Print-Markt generell schrumpft.

 

Der Online-Handel boomt. Hat der stationäre Handel Ihrer Meinung nach langfristig noch eine Zukunft?
Sicher boomt der Online-Handel, aber wenn ich an einem Samstag in der Stadt bin und die Schlangen an den Kassen sehe, bin ich davon überzeugt, dass der stationäre Handel auf jeden Fall Zukunft hat. Aber hier gilt das gleiche wie bei unseren Marken: Shops müssen sich an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren und mit Leidenschaft geführt sein.

 

Auf elle.de verkaufen Sie neben jungen deutschen Labels auch internationale etablierte Luxusmarken.
Elle.de ist eine internationale Marke und zeigt damit das ganze Spektrum der Mode, von deutschen noch unbekannten Designern bis hin zu den Big Playern der Branche. Die Konsumentin schätzt die kuratierte Auswahl an Trends aus der gesamten Modewelt.

 

Die deutsche Kundin gilt unbekannten Marken gegenüber als verschlossen. Lässt sich mit Hilfe von BurdaStyle eine Lanze für deutsche Mode brechen?

Die Leserinnen vertrauen dem Gespür und den Empfehlungen der Mode-Experten unserer Marken. Modestrecken in Elle, Instyle und Harper’s Bazaar verhelfen damit jungen Modelabels zu mehr Bekanntheit und vor allem auch zu Begehrlichkeit. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Kleidungsstück nach Veröffentlichung in einem unserer Magazine oder online direkt ausverkauft ist.

 

Wie empfinden Sie momentan die deutsche Modelandschaft? Gerade auch in Hinblick auf die in letzter Zeit häufiger totgesagte Berliner Modewoche.
Die Berlin Fashion Week ist eine wichtige Plattform für die deutsche Modeindustrie. In Berlin geht es nicht darum, mit Mailand oder Paris zu konkurrieren, sondern neben großen Namen auch lokalen Talenten die Möglichkeit zu bieten, ihre Kreationen zu zeigen und den Austausch in der Branche zu fördern. Auch die BurdaStyle ist mit der InStyle Lounge und dem We are Fashion Lunch regelmäßig in Berlin vertreten und vernetzt etablierte Marken mit jungen Designern, Influencern und Redakteuren.

 

Mal abgesehen von Förderprogrammen: Was müsste sich Ihrer Meinung nach noch tun, um (junge) deutsche Labels langfristig am Markt zu etablieren?
Zum einen muss noch mehr auf die Bedeutung der deutschen Mode für die Wirtschaft hierzulande hingewiesen werden, so dass sich geeignete Investoren für junge Labels finden. Zum anderen müssen wir auf das deutsche Design und auf Talente aufmerksam machen, damit sie Bekanntheit erlangen und wachsen können. Dies sind ja auch zwei der Kernpunkte des Fashion Councils, deshalb finde ich die Arbeit des FCG so essenziell für die deutsche Mode.

 

Wie halten Sie es eigentlich persönlich mit der deutschen Mode?

Ich finde die deutsche Mode großartig. Es gibt sehr viele Designer, deren Kollektionen mich begeistern. Zuletzt habe ich beim Bambi ein Kleid von Irene Luft getragen.