FCG BULLETIN | GSC GOES DUMFRIES HOUSE

Gemeinsam mit The Prince’s Foundation und Swarovski initiierte der Fashion Council Germany im schottischen Dumfries House vom 10. bis 12. September die „GERMAN SCOTTISH SUSTAIN WORKSHOPS & PANEL TALKS“, zu welchen neben schottischen Designern auch die deutschen German Sustain Concept (GSC) Teilnehmer Lara Krude, Oft, Phylyda und Working Title eingeladen waren. Das dreitägige Programm aus Panels, Workshops und Manufakturbesuchen soll die Designer als auch den bilateralen Austausch fördern und den Diskurs über Nachhaltigkeit in der Mode weiterführen.

Seit seiner Gründung 2015 setzt sich der Fashion Council Germany für die Förderung und Sichtbarmachung von deutschem Design im In- und Ausland ein. Die Unterstützung insbesondere junger Talente, die dringliche Fokussierung auf Aspekte der Nachhaltigkeit als auch der Ausbau und die Pflege von bilateralen Beziehungen hin zu einem starken internationalen Netzwerk in der Modebranche sind dabei von Anfang an Kernmotivationen der Lobbyarbeit — mit dem neuesten Projekt, fließen alle Stränge zusammen.

Das im 18. Jahrhundert erbaute Anwesen – Dumfries House – wurde 2007 vom Prince of Wales für die Nation gesichert. Mit der Konferenz „GERMAN SCOTTISH SUSTAIN WORKSHOPS & PANEL TALKS“ wartete ein dreitägiges Programm aus

Workshops, Expertenvorträgen, Panel Talks, Netzwerk Events und der Besuch schottischer Manufakturen auf die deutsche Delegation als auch eine Auswahl schottischer Labels. Die gemeinsame Initiative vom FCG und der von Prinz Charles gegründeten Stiftung zur Förderung von Gemeinschaften, The Prince’s Foundation, zielt darauf ab, die deutsch-schottischen Synergien zu stärken als auch Diskurse rund um Nachhaltigkeit in der Mode fortzuführen.
„Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt unseres Handelns, deshalb sind wir stolz darauf, gemeinsam mit dem Fashion Council Germany dieses Projekt im Dumfries House auszurichten.“ (Ashleigh Douglas, The Prince’s Foundation)

Ashleigh Douglas leitet die 2015 gegründete „Future Textiles“-Ausbildungsinitiative der royalen Stiftung und sagt weiterhin: „Bei The Prince’s Foundation möchten wir der Branche helfen, indem wir Menschen jeden Alters für eine Karriere im Textilbereich begeistern, indem wir ihnen eine fachkundige Ausbildung und Verbindungen zur Industrie bieten.“

The Prince’s Foundation, die im April aus der Zusammenlegung des Dumfries House Trust und anderer Wohltätigkeitsorganisationen hervorgegangen ist, hat ihren Hauptsitz im Dumfries House und ist heute mit mehr als 250 Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber der Region. Sie ist somit der ideale bilaterale Verbündete des FCG für einen schottisch-deutschen Austausch. Insbesondere in Hinblick auf das Anfang 2019 gestartete 24-monatige Förderungsprogramm German Sustain Concept, das gemeinsam mit den Partnern Bikini Berlin, BurdaStyle und Neonyt die vier nachhaltigen Teilnehmer-Brands in den Disziplinen Sourcing, Distribution, Marketing und Business dabei unterstützt, sich langfristig am Markt zu etablieren — und gleichzeitig ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebensstil schaffen will. Immerhin ist Sustainability keine Option mehr.

Unterstützt wird das Projekt deshalb auch von Swarovski.

„Swarovski ist unermüdlich in der Talentförderung aktiv, etwa durch Stipendien, Kristallsponsoring und der Weitergabe unseres Knowhows. Entsprechend ist auch das Dumfries House eine sehr geschätzte Plattform junge Talente zu fördern.“ (Nadja Swarovski)

Vor allem die Unterstützung auf Nachhaltigkeit ausgerichteter junger Labels ist ihr ein Anliegen: „Design kann nachhaltige Entwicklungen und kulturelle Veränderungen vorantreiben und wir freuen uns, die intelligente Nutzung vorhandener Ressourcen mit dieser Kooperation zu fördern.“Insofern stellt das Programm im historischen Dumfries House, das heute als touristische Attraktion und Bildungszentrum dient und im ehemaligen Sägewerk des Anwesens seit 2018 sogar das LVMH Textilausbildungszentrum beherbergt, für Antonia Goy und Björn Kubeja von Working Title, Lara Krude, Lydia Maurer von Phylyda als auch Ashley Marc Hovelle von oft ein echtes Highlight im 2-jährigen Programm des German Sustain Concept dar — zumal die Konferenz von niemand geringerem als HRH Prince Charles begleitet wurde.

Um mehr über den deutschen Mode- und Textilmarkt, seinen nachhaltigen Heraus-forderungen und ins-besondere neue technologische Entwick-lungen zu erfahren, lud Prince Charles die deutschen Vertreter der Branche überdies zur „Royal Reception“: dem besonderen Ereignis eines privaten Empfangs. Unterstützt wurde der Austausch auch von deutscher Seite durch die Präsenz angereister Presse und Förderer, insbesondere auch durch das Engagement der FCG-Präsidiumsmitlglieder, Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp und ICON-Chefredakteurin Inga Griese, die beide im Rahmen von Panel Talks aktiv am Programm teilnahmen. Zusätzlich dazu hatte die ICON bereits im Vorfeld der Konferenz ein Modeshooting mit den Fashion Sustain Concept Brands in Kooperation mit Swarovski realisiert.
Die Designer selbst schätzen die Unterstützung des Fashion Council Germany als auch die Einladung nach Schottland sehr. Phylyda-Designerin Lydia Maurer sagt: „Ich finde die Zusammenarbeit von Organisationen wie dem FCG mit Industrie-Größen wie Swarovski, Vogue und der ICON insbesondere heute äußerst relevant. Wir müssen unsere Ideen und Erfahrungen teilen und die Insularität der verschiedenen Stakeholder in der Mode aufbrechen, um sinnvolle Änderungen einzuleiten und umzusetzen.“
Für Björn Kubeja und Antonia Goy von Working Title ist insbesondere der Netzwerk-Aspekt der Konferenz relevant: „Für uns als junge Marke ist der Austausch mit Anderen sehr wichtig. Er eröffnet uns neue Blickwinkel und hilft uns, die eigene Ausrichtung zu prüfen und zu verbessern. So erhoffen wir uns interessante neue Kontakte und Workshops, die uns auch inhaltlich weiterbringen.“ Beide Labels freuen sich insbesondere auf ihre Teilnahme am Panel Talk „Start your own fashion brand“ mit der renommierten Modejournalistin Sarah Mower.
Bei den meisten der Workshops und Panel Talks mit hochkarätigen Branchenexperten steht natürlich das Thema Nachhaltigkeit, etwa bei Veranstaltungen zu natürlichen Färbemethoden oder Mode und saubere Ozeane, im Zentrum des dreitägigen Programms. Abgesehen von Swarovskis Engagement, die einen Upcycling-Workshop anbieten, in welchem den Designern ausgemusterte Swarovksi-Kristalle zur Verfügung gestellt werden, sodass sie „aktiv an einer regenerativen Kreislaufwirtschaft mitwirken“, so Nadja Swarovski, unterstützen insbesondere auch die schottischen Traditionslabels Harris Tweed Hebrides und Johnstons of Elgin die „FCG goes Scotland“-Initiative. Sie öffnen auch die Türen zu ihren Manufakturen. Designerin Lara Krude freut das besonders: Ich arbeite viel mit Stoffen, die aus der Herrenbekleidung kommen und freue mich sehr, diese Betriebe kennen lernen zu können.“

Gerade Schottland ist bekannt für seine Stoffe aus traditonsreichen Webereien, darunter hochwertiges Kaschmir als auch der berühmte Harris-Tweed, mit Abnehmern in rund 150 Ländern weltweit, darunter führende Häuser wie Yves Saint Laurent, Hermès oder Gucci. Deutschland ist dabei einer der wichtigsten Exportmärkte, weiß Margaret Macleod, Sales Director bei Harris Tweed Hebrides. Sie sagt: „Wir freuen uns, die Zusammenarbeit mit dem Fashion Council Germany zu unterstützen. (…) In einer Zeit, in der wir die schottische Textilindustrie immer wieder neu beleben und fördern und dazu beitragen müssen, das in den letzten Jahrzehnten zurückgegangenen Knowhow zu erhalten und zu verbessern, sind Veranstaltungen wie diese wichtig, um das Bewusstsein für die Vielfalt der Möglichkeiten zu schärfen, die in der schottischen Textilindustrie bestehen.“

Die Förderung der traditionellen heimischen Textilindustrie halte gleichzeitig die Inseldörfer als auch die traditionellen Kultur-Skills lebendig und sichere Arbeitsplätze insbesondere in ländlichen Regionen. „Wenn wir heritage hören, denken wir oft an altmodisch — aber unsere Produkte sind hochwertig und werden weltweit exportiert“, sagt auch Simon Cotton, Chief Executive bei Johnstons of Elgin. Ähnlich wie in Deutschland ist das Interesse an nachhaltigen Themen in Schottland stark verwurzelt — ein Grund mehr für einen länderübergreifenden Austausch. „Ich denke, das ist ein Grund dafür, warum die schottische Textilindustrie gerade jetzt floriert: Die Menschen wollen wissen, dass die Produkte, die sie kaufen, mit umweltfreundlichen, nachhaltigen Prozessen hergestellt wurden“, so Cotton. Und von den Traditionsunternehmen können insbesondere junge Labels viel lernen.
Einen weiteren positiven Nebeneffekt hat die Reise: keiner der deutschen Designer war bislang in Schottland. So wird „GSC goes Dumfries House“ ein dreitägiges Programm voller Premieren.