„Man muss international denken in der Mode.“

Markus Lupfer ist sowas wie das deutsche Urgestein in der Londoner Modeszene — und damit äußerst erfolgreich. Aufgewachsen im Allgäu, zog es den Designer nach einem anfänglichen Studium in Trier an die University of Westminster, wo er 1997 mit einem phänomenalen Zeugnis graduierte. Seine Abschlusskollektion wurde in der britischen Vogue vorgestellt und sofort von der hippen Londoner Boutique Koh Samui gekauft, wo sie binnen zwei Wochen vergriffen war. Seitdem lebt und arbeitet Lupfer in der Stadt an der Themse, hat sich von dort ein internationales Renommee aufgebaut. Mit seinem eigenen Label feiert er 2019 das 20-jährige Jubiläum. Für eine Marke, hinter der kein großer Konzern steht, gilt das schon als eine halbe Ewigkeit!

So weit gebracht hat es der Designer natürlich dank seiner Mode, der man ganz ähnliche Charaktereigenschaften zuschreiben kann wie dem sympathischen Mittvierziger mit dem britischen Akzent selbst: heiter, lässig, kreativ und vielleicht sogar verspielt. Denn der jugendliche Esprit ist weder dem Designer noch seinen Kollektionen über die Jahre abhanden gekommen. Und das, obwohl er neben seinen zwei Hauptkollektionen, die er stets zur London Fashion Week präsentiert, auch noch Resort- und Pre-Fall-Kollektionen entwirft.

Einen echten Fanzirkel hat sich Lupfer mit seiner poppigen und humorvollen, kommerziell erfolgreichen Casualwear aufgebaut. Sein Markenzeichen ist fast schon eine Ikone der Gegenwartsmode geworden: ein geöffneter Kussmund, der mal auf gestreiften Pullovern und weißen T-Shirts oder mit funkelnden Strasssteinen besetzt zu finden ist. Für seine kokette und oft surreale Mode setzt er außerdem auf farbenfrohe Muster und Prints, bestickte oder veredelte Stoffe und grafische Schnörkel, was ihm bereits Kundinnen wie Beyoncé und Rihanna, Cara Delevigne und Olivia Palermo eingebracht hat.

Fashion Council Germany traf den Designer in seiner Wahlheimat, während des Modeevents in der Deutschen Botschaft im Rahmen der London Fashion Week und sprach mit ihm über sein Leben in London und die Chancen der deutschen Mode.

 

FCG: Gerade haben Sie im Rahmen der London Fashion Week Ihre Herbst-Winter-Kollektion 2018/19 präsentiert. Worum geht es?

Markus Lupfer: In dieser Saison habe ich eine Welt voller Lieblingsstücke entworfen. Es ging um modische Schätze, die man für immer und ewig im Schrank haben möchte, weil sie so besonders sind. Es ist viel Karo mit dabei, ein kuscheliger Teddy-Stoff für Jacken und Mäntel, außerdem funkelndes und besticktes Paillettenmaterial, ein paar Blütenapplikationen. Mein Kussmund darf natürlich auch nicht fehlen.

 

Das Label Markus Lupfer gibt es schon fast 20 Jahre. Von Anfang an haben Sie es in London aufgebaut. Wollten Sie dort nie weg?

Anfangs war ich nur zum Studieren nach London gekommen und habe mich dann schnell in die Stadt verliebt. Die Stimmung, die Menschen — mir hat es wahnsinnig gut gefallen. Alle waren so kreativ. Durch das Studium habe ich viele Freunde gewonnen, die alle entweder in der Mode, im Design, der Musik oder der Architektur steckten. Plötzlich waren wir sogar eine kleine Kreativgang, ich fand das toll. Weg wollte ich also nicht mehr.

 

Bekommen Sie von London aus eigentlich mit, was in Deutschland modisch passiert? 

Bislang eher weniger. Ich bin so involviert, was die London Fashion Week angeht und arbeite natürlich auch immer intensiv an meiner eigenen Kollektion, dass das Geschehen der deutschen Mode oft an mir vorbeigeht. Umso mehr freue ich mich über ein Event wie die Designerpräsentation in der deutschen Botschaft in London. Die Publicity hier ist gerade für junge Designer sehr wichtig. Man muss international denken in der Mode.

 

Und das geht immer besser auch von Deutschland aus.

Die Zeiten sind heute aber anders, auch durch Social Media verändert sich viel. Als ich in den Startlöchern stand, vor 20 Jahren, wäre ein internationaler Erfolg von Deutschland aus schwieriger gewesen. Ich kann mir vorstellen, dass sich durch das Fashion Council Germany langfristig viel tut. Ich habe immer gesagt ich verstehe nicht, warum es so etwas in Deutschland nicht gibt. Deshalb bin ich heilfroh, dass unter der Präsidentschaft von Christiane Arp gerade daran gearbeitet wird, das Council aufzubauen. Weil es eine wichtige Institution ist und eben dabei hilft, international Publicity zu machen. So ein großes Engagement gab es bislang noch nicht.

 

Haben Sie sich die Gruppenpräsentation angesehen?

Ich bin durchgelaufen und finde es wirklich super. Mir gefällt auch das Format, also dass hier eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Designern die Möglichkeit haben, ihre Looks zu präsentieren. Dass die deutsche Modelandschaft momentan so divers ist, war mir gar nicht bewusst.

 

Mit der deutschen Modeszene kommen Sie sonst nicht in Berührung.

Eigentlich nicht, nein. Ich habe mein gesamtes Privat- und Arbeitsleben hier in London aufgebaut. Über das Studium habe ich mir sogar ein wenig die englische Mentalität angeeignet. Ich bin etwas deutsch und etwas englisch zugleich.

 

Wie werden Sie in London wahrgenommen?

Bin ich ein German Designer in London? Ich weiß gar nicht, was ich bin. Das ist vielleicht auch nicht so wichtig. Aber der deutsche Hintergrund ist natürlich vorhanden. Und es gibt sowas wie deutsche Elemente in meiner Mode. Ich habe oft das Gefühl, dass ich etwas cleaner bin als andere Designer im wilden London. Meine Mode ist nicht zu symbolisch, dafür gut geschneidert, gut gemacht, gut verarbeitet.

 

Wo kommt Ihre Mode besonders gut an?

Deutschland ist leider ein schwieriger Markt für uns, dort verkaufen wir mal mehr und mal weniger. So richtig erklären kann ich mir das nicht. Ansonsten ist für uns England wichtig, was sicherlich auch daran liegt, dass wir hier so präsent sind. Ansonsten laufen Südkorea und China ziemlich gut. Und der mittlere Osten.

 

Gibt es eigentlich etwas, das Sie in London an Deutschland vermissen?

Definitiv das Essen! Natürlich die schwäbische Küche, Schäufele oder Kässpätzle. In London sind diese Gerichte wirklich schwer zu bekommen. Meine Mutter hat mir einen Spätzlehobel für zu Hause geschenkt. Eigentlich könnte ich sie also sogar selber machen. Aber das ist einfach nicht das gleiche.